Nachgefragt bei David Hagemeister

Die Karpfenanglerszene in Mecklenburg ist vergleichsweise übersichtlich gestrickt. Es wird gemunkelt, getuschelt und jeder weiß scheinbar über alles Bescheid was hierzulande passiert. Wir finden es nur fair, ein paar der Protagonisten einmal selbst zu Wort kommen zu lassen. Im heutigen Interview baten wir David Hagemeister uns Rede und Antwort zu stehen. Der langjährige Guide ist Gründer der Firma ProNature MV und seit mehr als 10 Jahren an den Gewässern Mecklenburgs auf der Jagd nach Karpfen.


Hallo David, schön dass Du Zeit gefunden hast, uns Rede und Antwort zu stehen. Bekannt geworden bist Du vor allem als Karpfenangler. Deshalb als Einstiegsfrage vorneweg, wie lange angelst Du bereits in Mecklenburg-Vorpommern auf Karpfen und welche Art von Gewässern bevorzugst Du?

David Hagemeister: Ich habe viele Jahre mit Zelt, Liege und Bissanzeigern auf Hecht, Zander und Wels gefischt. Eines Tages fischte ich nebenbei mit der geborgten Karpfenrute eines Kumpels beim Welsfischen auch auf Karpfen und fing gleich zwei 15kg-Fische an diesem Wochenende. Von da an war ich infiziert. Das war im Mai 2006. Ich habe anschließend bestimmt 10 Jahre an größeren Seen ab 100ha aufwärts verbracht und dabei viele Abenteuer erlebt. Nun fische ich mit großer Leidenschaft an kleineren und abgelegenen Seen, um dort Ruhe zu finden. Wenn ich eine Woche keinen Menschen sehe, bin ich glücklich. Dafür bin ich dann auch bereit, 3 Tage keinen Fisch zu fangen.


Worin siehst Du Unterschiede in der Karpfenangelei in Mecklenburg-Vorpommern zu anderen Bundesländern? Was macht für Dich den besonderen Reiz aus?

David Hagemeister: Das reizvolle an unseren Gewässern ist auf jeden Fall die intakte Natur, aber auch, dass unsere Gewässer im Vergleich zu anderen Bundesländern eher dünn mit Karpfen besetzt sind. Im Schnitt haben unsere Seen einen Karpfen auf 1-3 Hektar Wasserfläche. Da erhält jeder gefangene Karpfen eine deutlich höhere Wertigkeit. Ich habe auch in Sachsen, Sachsen – Anhalt und Brandenburg auf Karpfen gefischt, dort ist es vielfach einfacher, Karpfen zu fangen.

In deinem Beruf als Guide bietest du auch Angeltouren auf Karpfen an. Welche Art von Karpfenanglern nehmen dieses Angebot in Anspruch und wie sind deine Erfahrungen mit derartigen Guidings? Kommen die Gäste wieder oder versuchen Sie es beim nächsten Mal allein?

David Hagemeister: Das läuft sehr unterschiedlich. Wir hatten bestimmt 8 Jahre lang Tagesguidingtouren als Gewässereinweisung für Karpfenangler aus anderen Bundesländern angeboten – da waren recht oft erfahrene Leute dabei, die auf der Suche nach einem guten Gewässer waren und nach diesem Trip auch später nochmal wieder an dieses Gewässer kamen. Einige dieser Leute haben die durch uns erlangten Gewässerinfos an andere Karpfenangler weitergegeben. In einem uns bekannten Fall sogar in einem Internetforum verkauft. Es gab erfahrene Gäste, die bei uns speziell nach sehr bekannten Großfischgewässern zwecks Tagesguiding anfragten. Das haben wir dann aber abgelehnt. Da wir im Laufe der Jahre auch etwas weiser geworden sind, bieten wir keine Tagesguidingtouren mehr an. Wir haben einige sehr vertrauensvolle Stammgäste, die seit 6-8 Jahren ausschließlich mit uns für Mehrtagesangeltouren in Mecklenburg unterwegs sind. Das sind ebenfalls erfahrene Angler, die aber keine Zeit haben, um Vorbereitungen zu treffen. Wenn Neukunden eine Mehrtagestour bei uns anfragen, sind das in der Regel Einsteiger, die das Angeln in überschaubar besetzten Naturseen erlernen möchten. Wir suchen dann passende kleinere Seen bis 100ha für dieses Guiding heraus und betreuen sie dann dort.


Nun gibt es ja auch in Mecklenburg-Vorpommern eigentlich kein Gewässer, das karpfenanglerisch völlig unerschlossen ist. Viele einheimische Karpfenangler haben Angst, dass ihre Gewässer und ihre Spots durch deine Guidings der Öffentlichkeit preisgegeben werden. Wie stellst du sicher, dass Du den Locals nicht auf die Füße trittst?

David Hagemeister: Im Grunde hilft da nur viel beobachten. Dadurch, dass wir jeden Tag am oder auf dem Gewässer unterwegs sind, können wir erkennen, ob und wo jemand gerade fischt oder füttert und versuchen dann, uns dort fernzuhalten. Es gibt keine “IHRE” Gewässer oder “IHRE” Spots mit persönlichem Besitzanspruch in Mecklenburg-Vorpommern. Etwa 95 Prozent unserer Seen haben für jedermann Zugangsrecht und jedermann kann überall fischen, vorausgesetzt er hält sich an fischerei- und naturschutzrechtliche Grundlagen und ist im Besitz gültiger Fischereidokumente. Wir sind diesem Gedanken etwas voraus und haben vor Jahren bereits Gewässergrundstücke / Gewässer gepachtet, um dort unsere Angelei auch mit unseren Gästen in Ruhe durchführen zu können. Mit einem Schmunzeln kann ich sagen, die Locals treten sich oft selbst auf die Füße und stellen ihre Heiligtümer zum Teil selbst in die Öffentlichkeit…sei es durch PN´s in Internetforen, sei es durch Facebook, Instagram oder – in den letzten Jahren noch populärer – durch Youtube. Ich sehe in den Medien so viele privat agierende Karpfenangler aus Mecklenburg-Vorpommern, die sich mit ihren Erfolgen in den Medien profilieren und Anerkennung oder Ruhm suchen. Ich könnte auf Schlag 15 Karpfenangler in privater Mission aus Mecklenburg benennen, die in diesen Medien für sich äußerst erfolgreich auftreten und weit mehr fremde Angler nach Mecklenburg locken, als wir es in 10 Jahren Guiding getan haben. Wir betreuen im Schnitt 8-15 Karpfenangler im Jahr und verdienen damit auch unser Lohn und Brot. In den letzten 5 Jahren ist das Karpfenangeln durch solche Medien explodiert und zwar deutschlandweit. Ich kenne Fachhändler in verschiedenen Teilen Deutschlands, die mir berichteten, dass ihre Verkaufszahlen im Bezug auf Karpfenangelequipment in den letzten Jahren steil nach oben gegangen sind. Somit hat sich die Anzahl der Karpfenangler rapide erhöht und gerade bekanntere Gewässer sind – statt wie vor 10 Jahren noch sehr sporadisch – nun quasi dauerhaft mit Karpfenanglern belegt. Und dann treten sich schon mal die Locals selbst auf die Füße, kommen sich ins Gehege – auch ganz ohne unser Zutun! In den nächsten Jahren wird die Anzahl der Angler in Deutschland stetig weiter wachsen und die Gewässer werden immer voller. Diesen Trend bemerken wir ebenso beim Raubfischangeln und an den stetig steigenden Zahlen der Leute, die ihre Fischereischeinprüfung ablegen möchten. Damit werden wir leben müssen und dieses Rad lässt sich nicht mehr aufhalten. Die anglerischen Freiheiten wie noch vor 10 oder gar 15 Jahren wird es nicht mehr geben!

Es gibt mittlerweile immer mehr Leute, die Guidings anbieten. Wie siehst du diese Entwicklung?

David Hagemeister: Es gibt sehr viele Glücksritter, die glauben, ich biete nun auch Guiding an und kann super davon leben… weit gefehlt! Einige verdienen sich etwas Schwarzgeld dazu, andere kommen kaum über die Runden und stehen kurz vor dem Insolvenzrichter. Soll jeder sein Glück versuchen und seinen Träumen nachjagen! Es gehört sehr viel dazu, mit dieser Dienstleistung seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Verdienstspanne ist recht klein und es muss gut kalkuliert werden, um seine Brötchen zahlen zu können. Wen es interessiert, in einer der kommenden Ausgaben Zeitschrift “Der Raubfisch” (Paul Parey Verlag) gibt es demnächst einen ausführlichen Bericht hierzu. Ich würde mich freuen, wenn sich der Angeltourismus nicht – wie in jetziger Situation – in bestimmte Regionen konzentriert, sondern auch in Bereiche gelenkt werden könnte, die touristisch und wirtschaftlich am Rande stehen. So entstehen für die dortige Bevölkerung Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten und der jetzige Druck auf die aktuellen Angel-Ballungsgebiete könnte etwas abnehmen. Von daher würde ich weitere Guidingunternehmen in anderen Regionen begrüßen. Das ist aber noch ein sehr langer Weg, um das zu erreichen und muss auch über die Politik gesteuert werden.


Du guidest ja überwiegend an die Gewässer von Binnenfischern. Guidings an Gewässer des Landesanglerverbandes haben für uns aber durchaus Geschmäckle. Vereinsmitglieder wenden hier viel Zeit und Mühen auf, um Gewässer und Stege in Schuss zu halten. Wenn dann jemand kommt und davon finanziell profitieren möchte, ist das zumindest fragwürdig. In Sachsen-Anhalt sind Guidings an Vereinsgewässer deshalb schon verboten worden. Wie beurteilst du derartige Reglementierungen durch Vereine und Verbände ?

David Hagemeister: Ich finde es richtig, wenn an Verbands- und Vereinsgewässern keine Guidings durchgeführt werden dürfen. Das Vereinsleben besteht aus sehr fürsorglichem Zusammenleben der Vereinsmitglieder und aus vielen unbezahlten Arbeitsstunden in Sachen Gewässerpflege und Besatz. Wenn jedoch in diesem Verein eines der Mitglieder aktiv am Vereinsleben mitwirkt und teilnimmt, dürfte er aus meiner Sicht auch in begrenzter Zahl ab und an mal einen Urlaubsangler in das Gewässer einweisen. Das wäre aus meiner Sicht eine vernünftige Variante.

David, vielen Dank, dass Du unsere Fragen so ausführlich beantwortet hast. Selbstverständlich wünschen wir Dir und deinem Unternehmen weiterhin viel Erfolg und jede Menge petri-Heil.

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