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Der Karpfen: Einheimischer oder Zuwanderer?
In den aktuellen Ausgaben (3/2014) von Fischerei & Fischmarkt in Mecklenburg-Vorpommern und von angeln in Mecklenburg-Vorpommern setzt sich Diplom-Fischereiingenieur Roland Müller intensiv mit der Frage des natürlichen Verbreitungsgebietes des Karpfens auseinander. Insbesondere geht es darum, ob der Karpfen in Deutschland als heimische Art angesehen werden muss. Interessant ist diese Frage deshalb, weil es vielerorts für fremde nicht heimische Fischarten Besatzbeschränkungen oder -verbote gibt.
Müller kommt nach langjähriger Recherche zu dem Ergebnis, dass Mitteleuropa und auch Deutschland zum natürlichen Verbreitungsgebiet zählen. Dass der Karpfen ursprünglich aus Asien kommt und erst durch die Römer nach Deutschland kam, sieht er eindeutig als widerlegt an. Als ursprüngliches Herkunftsgebiet konnten die Flusssysteme das Schwarzen Meeres, insbesondere das Donaugebiet, herausgearbeitet werden. Aufgrund der sich durch die Eiszeiten ändernden Einzugsgebiete der großen Flusssysteme, konnte der Karpfen sich auch in das Rhein- und Elbgebiet verbreiten. Dies bestätigen auch verschiedene archäologische Funde von Knochen und Schuppen. Älteste Funde aus dem Stuttgarter Raum lassen sich hierbei auf eine Zeit von 900.000 bis 600.000 Jahre vor heute datieren. Zwar wurden einige Funde angezweifelt, jedoch gibt es auch eindeutige Fossilien aus Stein- und Bronzezeit. In Norddeutschland sind zwar viele Fossilien durch die Gletscher der Eiszeit zerstört worden, jedoch gab es im Lüneburger Raum und bei Rheinsberg, im Norden Brandenburgs, Funde die vor die letzte Eiszeit datiert wurden.
Letztlich kommt Müller zu dem Ergebnis:

  1. Die Theorie des neuzeitlichen „Einwanderers“ Karpfen ist nicht mehr zu halten und er ist als ureuropäisch anzusehen.
  2. Auch Deutschland zählt hier zum gegenwärtigen und vergangenen Verbreitungsgebiet des Karpfens.

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